Drei spielen gegen den Zeitgeist - mit Texten aus den Federn dreier Satiriker, die zu Lebzeiten gegen den Zeitgeist schrieben und den Naziwahn nicht überlebten.

"Drei gegen den Zeitgeist" (rd) "Drei gegen den Zeitgeist" nennen die wach rüttelnden Protagonisten des progressiven Jüdischen Theaters in Hamburg -Schachar- ihr unter die Haut gehendes literarisches Kabarettprogramm, mit dem sie in Texten und Liedern Kurt Tucholskys, Walter Mehrings und Jura Soyfers deutsche Empfindlichkeit und Lebenseinstellung in der aufkommenden Hitlerzeit messerscharf persiflieren. Glänzend gelingt ihnen dabei sichtbar zu machen, wie brillant diese jüdischen Satiriker und Mahner für Demokratie, Menschenwürde und Frieden bis heute non ihrer Aussagekraft nichts eingebüßt haben und zum Nachdenken über eigene Grundeinstellung und Toleranz zwingen. Helmer-Christoph Lehmann, emeritierter Probst im Kirchenkreis Storman und Vorsitzender des Kulturkreis Walddörfer, hatte die Theaterleute zu einem Auftritt in die Volksdorfer Bücherhalle Weiße Rose eingeladen, und mit Zylinder, Bowler-Hut, mit und ohne Jackett, abwechselnd oder zusammen, deklamierend, mit Instrumenten, im Sprechgesang und pantomimisch ausgeschmückt hielten Sven j. Olsson, Daniel Haw und Wolfgang Binder ihr Publikum in beklemmtem Bann. Schade nur, dass kaum junges Publikum anwesend war. Eine solche Vorstellung in Schulen vor Oberstufenschülern wäre eine hilfreiche Gelegenheit, geschichtliche und menschliche Akzente einer nie wegzudenkenden Epoche klar zurechtzurücken. "Alles hat seinen Preis auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit", dichtete Jura Soyfer in seiner Ballade von der Käuflichkeit der Menschen in Zeiten von langer Arbeitslosigkeit, Ausgrenzung und Hunger. Walter Mehring sang das Lied von "Mensch bleibt Mensch und Schwein bleibt Schwein", Kurt Tucholsky von "Karrieren, in die man so hineinschliddert" und noch einmal Jura Soyfer den "Song eines SA-Proleten". Alle drei wurden von den Nazis mundtot gemacht... (HEIMAT ECHO, Wochenzeitung für Hamburgs Nordosten / 21.09.2006)