"Wieso Sport Mord ist? Weiß ich auch nicht. Man sitzt doch gemütlich vor dem Fernseher und trinkt sein Bierchen, natürlich regt man sich auf, selbstverständlich ist die Ehe gefährdet, aber Mord trifft nicht zu."
Sven j. Olsson und Ulrich Jacobi als Fußballfans
Die Mannschaftsaufstellung des TuS Sport ist Mord
Der Mittelstürmer - Ulrich Jacobi
Ulrich Jacobi stürmt seit 7 Jahren mit der legendären Rückennummer 9 als Schauspieler über die Spielbühnen der Liga. In mehreren Soloprogrammen hat er als Textvollstrecker im gegnerischen Strafraum die Dinger 'reingemacht'. Ein Charakterkopf mit Austrahlung und unbedingtem Spielwillen. Seinem Spielwitz ist so mancher Textstrich und unerwartete Änderung zu verdanken. Wie einst Uwe Seeler holt er sich die Pointenbälle selber und treibt sie über die Bühne ins Publikum.
Die Cheerleaderin - Karen Schütte
Bei dem Spielertransfer schlechthin konnte Karen Schütte, in einer Sack- und Ascheaktion, ablösefrei aus den USA heim nach Europa geholt werden. Als 'schönste Frau der Welt' macht sie den Gegner nervös und bringt ihn dazu, Fehler zu machen. Ihr Charme setzt gegnerische Abwehrreihen matt und verhilft ihrer Mannschaft zum Sieg. Sie spielt den tödlichen Kalauerpaß ebenso gut wie die Pointenabseitsfalle. Ohne Pause treibt sie ihre Mannschaft nach vorn, bis die Abwehr entblößt im Raum steht.
Der Coach - Sven j. Olsson
Der überzeugte Sportgegner ist als Trainer eine Gewissensfrage. Sein Training ist unaufdringlich und nicht selten werden die Spieler gefragt, ob denn der Coach auf der Couch gesündigt oder geschlafen habe. Erfolge feierte er als Spielertrainer mit einem 'Walter Mehring Abend', als Managertrainer mit einem 'Edith Piaf Programm' mit Hamburgs Piaf Julia Kock sowie als Entdeckertrainer mit den Amateuren der Alvesloher Kabarett Werkstatt.
Zwei Halbzeiten voller Seitenhiebe Sport in Alveslohe kabarettistisch aufgearbeitet
Alveslohe (dru) "Fernbedienung in der Linken, Bier in der Rechten, Füße auf dem Tisch." Das ist Sport. Dieses Massenphänomen und seine Facetten nahmen Ulrich Jacobi und Karen Schütte, zwei Schauspieler aus Hamburg, sowie Sven J. OlssonGrotte von der Alvesloher Kabarett Werkstatt humoristisch unter die Lupe. Die Texte liefeiten Ringelnatz, Kästner, Tucholsky, Erhardt und andere. In zwei Halbzeiten verteilte die Mannschaft des Abends gezielte Seitenhiebe auf die Kehrseite der sportlichen Euphorie. Auch Interviews mit Sportgrößen wurden geboten: " . . . und ich merke, daß Bergsteigen und Tod zusammenhängen", kam es stammelnd aus der Erinnerung des vorzeitig gealterten Himmelsstürmers Reinhold Messmer (Olsson-Grotte). Mit reichlich Bier sowie Schal und Pudelmütze ihres Favoriten versorgt, zogen zwei Fußballfans fachsimpelnd - soweit die vom Alkohol schwer gewordene Zunge mitmachte - ihren Idolen von Schlachtfeld zu Schlachtfeld nach. Ein vertrautes Bild, das die beiden Fußballfäns Jacobi und Olsson realistisch nachahmten Sie traten immer wieder zwischen den einzelnen Sketchen auf und sorgten dabei für Lacherfolge. "Weißt du, wie die hier singen, so wird es nie was mit dem Aufstieg von St. Pauli", sinnierte Fan Olsson in breitem Hamburgerisch, während sein Kumpel versuchte, sich zu erinnern, ob er in Münhen oder bei einem anderen Auswärtsspiel in die Schaufensterscheiben geflogen war. Vereint stimmten sie dann an: "Wie die Gläser klingen, St. Pauli wird gewinnen-" Schwester Karen kam auf ganz andere Aspekte des Massensports. Außer Puste sang sie "Sehnenriß, Bänderriß, Knochenbruch, Schädelbruch, Handrückenbruch, Oberschenkelquetschung, Nasenbruch", die ganze Palette der "Sportresultate", bis ihr die eigene Rage fast den Kittel auszog. Nach einem USA-Aufenthalt, wo Karen Schütte neben Schauspielunterricht in unterschiedliebsten Stücken und Theaterrichtungen auftrat, hat sich die junge Schauspielerin nun hin zu Kabarett und Komödie orientiert. Nach kleineren Ausflügen in ändere Berufe will sie künftig hauptberuflich als Schauspielerin arbeiten. Für das hervorragende Zusarnmenspiel der drei Künstler bedankte sich das Publikum mit viel Applaus. Auch wenn die Zuschauer keinen Sport trieben, trainierten sie doch zumindest ihr Lachen.
(Segeberger Zeitung, 25. März 1998)