Das Kabarettstück zeigt Kurt Tucholsky in den Jahren 1932 bis zu seinem Tode 1935. In Hindaas sitzend und unter seiner Nasenkrank-
heit leidend, schreibt er ironische, liebevolle und selbstmitleidige Briefe an seine "Freundin Hedwig Müller, genannt Nuuna, in der Schweiz. Der 'aufgehörte Dichter', wie Tucholsky sich selbst bezeichnete, hat dabei Briefe von hoher literarischer Qualität bis trivialer Natur verfaßt. Als Kommentar werden viele seiner berühmtesten Chansons, vertont von Friedrich Hollaender bis Hanns Eisler, gesungen.
Wir Negativen bot ein abwechslungsreiches Programm: Suzanne Andres (links) und Astrid Schulz singen zusammen einen Chansons. (Foto: Meinert)
(gux). Im Zuschauerraum herrscht ein fast betretenes Schweigen. Suzanne Andres steht in einem dunklen Gewand mit Hakenkreuz-Anstecker auf der Bühne und singt "Kyrie Eleison". So direkt und hart, dann wieder heiter und sorglos vermittelte das Kabarett-Ensemble des Kleinen Theaters (KtS) sein neues Stück "Wir Negativen' im Studio des Hauses an der Schillerstraße. Regisseur Sven j. Olsson hatte mit Briefen, selbst entwickelten Dialogen und Chansons des jüdischen Dichters Tucholsky ein abwechslungs-reiches und treffendes Programm zusammengestellt. Der Zuschauer beobachtet auf der einen Seite Kurt Tucholskys Freundin Hedwig Müller, verkörpert von Astrid Schulz, die die oftmals wehleidigen aber auch ironischen, jedoch immer herzlichen Briefe des Dichters liest. Auf der anderen Seite sieht man den von Ulrich Jacobi dargestellten, geplagten Literaten in seinem schwedischen Haus den nächsten Brief verfassen. Das Stück spielt in der Zeit von 1932 bis 1935, der Abreißkalender des Poeten hilft dem Zuschauer über die Zeitsprünge. Die Schweizer Schauspielerin Suzanne Andres sang, begleitet von dem Pianisten Daniel Ater, die meisten Chansons. Sie brillierte mit ihrer Verwandlungskunst und spielte ihr beeindrucken-des stimmliches und schauspielerisches Können voll aus. "Wir Negativen" trifft. Zu sehen ist das Kabarett in weiteren Vorstel-lungen am 13., 14., 16., 17 und 20. Mai, jeweils um 20.30 Uhr, (Lauenburgische Zeitung, 10. Mai 2003)