Ausschnitte aus "Die Ästhetik des Widerstands" sowie "Der Schatten des Körpers des Kutschers" als Theaterabend.
Ulrich Jacobi als manisch, alles notierender Autor
Monsun-Theater

Peter Weiss' Prosa als Bühnenstück
noll Hamburg - "Die Ästhetik des Widerstandes" von Peter Weiss (1916-1982) ist ein monumentales Werk, ein Klassiker der Moderne, das sich gleich zweifach auszuweisen vermag: als fulminantes Epos und als scharfsinnger Diskurs über Regiment und Renitenz. Fraglos ist "Die Ästhetik des Widerstandes" ein exzellentes Buch, allerdings keins für die Bühne, es ist dramatisch uninteressant, unspielbar - sollte man meinen. Offensichtlich aber waren der Schauspieler Ulrich Jacobi und sein Regisseur Sven J. Olsson anderer Auffassung, denn sie brachten am Wochenende Auszüge aus diesem gewaltigen Roman auf die Bühne des Monsun Theaters. Dabei spielte Jacobi, Jahrgang 1958, verschiedene Rollen: den Schriftsteller, der über seinen Text reflektiert, einen Korrespondenten, der vom Kriegstreiben berichtet, und einen Lehrer, der über das Göttergeschlecht doziert. Durch die Montage einzelner Abschnitte entstand durchaus ein adäquater Eindruck von der Vielfältigkeit der Weiss-Prosa, doch zahlte man dafür einen hohen Preis: Das Ganze blieb eine ziemlich hermetische Angelegenheit. Zwei weitere Prosatexte von Weiss, "Der Schatten des Körpers des Kutschers" und "Das Gespräch der drei Gehenden", ergänzten das Programm. Ähnlich strukturiert und dargeboten, gaben sie Jacobi eine Gelegenheit, seine komödiantische Begabung vorzuführen. Und obwohl man über Schauspieler und Regisseur noch manches Gute sagen könnte, obwohl der Abend gelungen für Peter Weiss warb - von seiner Notwendigkeit konnte er nicht überzeugen.
(Hamburger Abendblatt, 21.Oktober 1996)