"Wer die Wahl hat" geht ins Kabarett
kTS-Leiter Ulrich Jacobi, Gabriele Witter und Nicole Wellbrock in "Wer die Wahl hat". Foto: Bator
Das kleine Ensemble nahm die Politiker und die "Mechanik der Parteien" auf die Schippe.
Von Gregor Bator
Geesthacht. Facenttenreich, kurzweilig, unterhaltsam und zum Nachdenken animierend ist die jüngste Produktion des Kleinen Theaters Schillerstraße (kTS). Mit Nicole Wellbrock, Gabriele Witter und Pianistin Sabine Pflug präsentiert kTS-Leiter Ulrich Jacobi im Theater-Studio ein literarisches Kabarett zur Bundestagswahl "wer dieWahl hat". Am Sonntag war Premiere, weitere Vorstellungen folgen heute und morgen sowie am 19., 21. und am Wahlsonntag, 22. September. Beginn ist jeweils um 20.30 Uhr, das Prädikat: empfehlenswert. Regisseur Sven j. Olsson stellte aus Texten von Kurt Tucholsky, Heinz Erhardt, Erich Kästner, Georg Kreisler, Karl Valentin, Wolfgang Schaller, Hans Scheibner, Dieter Hildebrandt und anderen ein nahezu klassisches Programm zusammen. Die Darsteller servierten es mit Witz und Ironie, spannten fast unbemerkt den Bogen zwischen Berliner Kabarett der Nachkriegsjahre und Gegenwart. Ob Sketche, Gedichte oder Lieder - das kleine Ensemble zog ordentlich über die Parteienlandschaft her, nahm die Politiker und die "Mechanik der Parteien" auf die Schippe.
Fertige Anworten auf die Kernfrage, was oder wen wählen, gibt das Kabarettprogramm nicht. Doch schärft es gekonnt den Blick auf den politischen Alltag in Deutschland. Als Schauspieler überzeugen alle Darsteller, mit Schalk im Nacken ist kTS-Leiter Ulrich Jacobi dabei. Natürlich gehört zum Programm eine Wahl-Stichprobe. Die kabarettistischeAuswertung: "Eigentlich sind die Stimmzettel ungültig. Denn ein Teil von Ihnen hat eine Partei angekreuzt, die es nicht gibt - heißt es doch hinterm Kürzel christlich demokratisch ...", verkündet Jacobi und deutet auf den Erfolg von kTS und der 'Bier für alle'-Partei hin. "Mehr sei nicht verraten, wir haben noch fünf Aufführungen", sagt Jacobi und betont mit der Kulturring-Chefin Sibylle Kirchner: "Das Kabarett ist das erste von drei Angeboten, die wir im Rahmen des Klein-Abonnements servieren. Das Miniabo kostet 45 Euro und umfasst neben Kabarett eine große Weihnachtsrevue im Dezember sowie einen Krimi-Klassiker 'Zehn kleine Negerlein' von Agatha Christie im Februar 2003."
Abokarten gibt's bei Zigarren Fries, Telefon 33 72. (Geesthachter Zeitung, 10.08.2002)