Ein Monodrama mit Liedern und Kabarettsongs aus dem Ghetto von Ellen Foyn Bruun und Bente Kahan
Das Leben in Theresienstadt schildert Bente Kahan in dem Theaterstück "Morgen fängt das Leben an", das 1995 in Oslo uraufgeführt wurde. Im November 1996 wurde es in Deutschland zum ersten Mal in deutscher Sprache gespielt. Dargestellt werden die Schicksale fünf sehr unterschiedlicher Frauen, die nebeneinander auf dem Fußboden der Frauenkaserne gelegen haben könnten.
Die Verse stammen von Ilse Weber, einer Kinderkrankenschwester im KZ Theresienstadt. Sie wurde im Alter von 41 Jahren in den Gaskammern von Auschwitz ermordet. Die Texte von Ilse Weber blieben in Form von Gedichten und Liedern erhalten. Einige Lieder wurden von Mitgefangenen immer wieder gesungen und konnten so niedergeschrieben werden.
Szenen der alltäglichen Angst
DAGMAR FISCHER
»morgen fängt das leben an«
Eine perfekte Inszenierung ist dem Nazi-Regime damals gelungen, mit dem Vorzeige-KZ Theresienstadt. Eine Delegation des Internationalen Roten Kreuzes ließ sich von den bunten Fassaden täuschen, und die offizielle Meldung hieß "Der Führer schenkt den Juden eine Stadt".
Die Wahrheit hinter den Mauern ist jedoch von einigen Insassen dokumentiert worden. Eine von ihnen war Ilse Weber, Jahrgang 1903. Ihre Gedichte und Lieder überlebten die 1944 ermordete Mutter von zwei Söhnen. Aus diesem Vermächtnis ist eine Szenenfolge entstanden: "morgen fängt das Leben an - Stimmen aus Theresienstadt".
Mit wenigen Requisiten aus Reisekoffern jeder Größe verwandelt sich Sabine May in fünf verschiedene Frauen: Die junge Schauspielerin Dora ist auf die "Gunst" eines SS-Mannes angewiesen; Hannah, Mutter eines Kleinkinds, tauscht verzweifelt Kohle gegen Milch; Edith aus Kopenhagen verschenkt ihren Mantel; die Hamburgerin Maria Schmidt schält täglich Kartoffeln und kommentiert zweideutig "die braunen Knollen häufen sich"; Dr. Lilly Rosenbaum hat es besser, sie darf in der Bibliothek arbeiten. Allen gemeinsam ist die alltägliche Angst vor der Deportation nach Auschwitz, aber auch die Hoffnung, die unbeschreibbare Qual doch noch zu überleben. Wenn die Sprache vor dem Unsäglichen versagt, setzt die Musik ein. Daniel Ater am Piano und Klarinettist Ralf Böcker sind die ideale Unterstützung, Sabine Mays Darstellung ist von geradezu beängstigender Tiefe und Verwandlungsfähigkeit. Hamburger Morgenpost 10.06.2004